Wem gehört das Wasser

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Der Zugang zu sauberem Wasser ist ein Menschenrecht, erklären die Vereinten Nationen. Die Realität sieht jedoch ganz anders aus.

Wasser ist die lebenswichtigste Ressource der Erde. Während die Weltbevölkerung rasant wächst, wird sauberes Wasser immer mehr zur Mangelware. Der Kampf um den Besitz der weltweiten Wasser-Reserven hat längst begonnen. Mehrere Weltkonzerne liefern sich ein Wettrennen um die besten Trinkwasserquellen – allen voran Coca-Cola, Pepsi und der Schweizer Nestlé-Konzern, der Leader der Branche. Die Getränkehersteller halten es für „blaues Gold, ein Produkt, das seinen Preis haben müsse“. Nur, wer soll und kann dafür wie viel bezahlen – und wer verdient daran?

Der Schweizer Journalist Res Gehringer recherchierte in den USA, in Nigeria und in Pakistan und fand heraus, wie einige Lebensmittelkonzerne Wasser zu Geld und damit ein Millionengeschäft machen. Er drehte dazu den Film „Bottled Life“, der die Strategien des mächtigsten Lebensmittelkonzerns der Welt beleuchtet: Nestlé besitzt weltweit über 70 verschiedene Wassermarken. Allein mit abgepacktem Wasser setzt der Konzern jährlich rund 11 Milliarden Franken (ca. 9 Milliarden Euro) um.

„Es gibt nur wenige Wasserquellen, die nicht großen Konzernen gehören“, erklärt auch Barbara Schmitz, WDR-Redakteurin aus Köln. Sie war bei den Recherchen zu dem Dokumentarfilm „Wem gehört das Wasser?“, der im Frühjahr im WDR gesendet wurde, auf diese Erkenntnis gestoßen.

Ein weiterer Film von Christian Jentzsch zu dem Thema „Wie Weltkonzerne sich Rechte an dem Lebensmittel Wasser sichern“ – am Beispiel von Nestlé – lief im Sender 3sat und stellte ein Beispiel dar: Der Konzern hat sich im vergangenen Jahr in der Nähe von Pretoria in Südafrika die Lizenz gesichert, Wasser in Flaschen abzufüllen: 282.000 Liter pro Tag. Viele der Arbeiter, die tagtäglich das Wasser unter der Marke „pure life“ abfüllen, leben in einer Siedlung in der Nähe. Zwei Flaschen mit je einem halben Liter Wasser erhält jeder Arbeiter in der Fabrik während des Tages. Manche sparen sich eine davon für ihre Familie auf. Denn die Menschen in der Siedlung haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Flaschen, die auf Lkws die Anlage verlassen, kann sich in den Orten in der Umgebung keiner leisten. „Eine Flasche Nestlé Pure Life ist teurer als das Tageseinkommen von vielen Nigerianerinnen“ bestätigt John O. Egbuta, Berater Kinderhilfswerk Unicef.

Die Lizenz für Nestlé zum Wasserabfüllen gilt 20 Jahre. Südafrika ist nur eines der Beispiele, das den Kampf um Wasserrechte aufzeigt. Das Vorgehen der Konzerne ist lange bekannt. Im Jahr 2009 sagte Maude Barlow, UN-Chefberaterin für Wasserfragen: „Nestlé ist ein Wasserjäger, ein Raubtier auf der Suche nach dem letzten sauberen Wasser dieser Erde“.

 
Quellen: www.bottledlifefilm.com, 3sat.de, www.ekir.de | Photo: Photodune

Über Vidal

Vidal

Feinster frischer Fisch, nicht nur Lachs, wöchentlich aus den kalten Nordmeeren in den Westerwald geliefert. Sorgfältig und mit handwerklich höchsten Ansprüchen verwandelt in eine Vielzahl von Geschmackserlebnissen.

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