Plastik statt Plankton: Wie unser Meer zur globalen Müllkippe mutiert

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Rund 6,4 Millionen Tonnen Plastikabfälle landen jedes Jahr in den Ozeanen, mehr als 100 Millionen Tonnen schwimmen bereits darin. 

Etwa 70 Prozent der Oberfläche der Erde sind von Wasser bedeckt. Doch heute schwimmen in jedem Quadrat-Kilometer der Meere zehntausende Teile Plastikmüll. Seevögel verenden qualvoll an Handyteilen in ihrem Magen, Schildkröten halten Plastiktüten für Quallen und Fische verwechseln winzige Plastikteilchen mit Plankton.

Die Menge des treibenden Mülls an der Wasseroberfläche ist so groß, dass dieser vom Weltraum aus zu erkennen ist – als riesige Müllteppiche, die mit den Meeresströmungen wandern. Dabei sind die Abfälle an der Meeresoberfläche nur die Spitze des Eisberges. Mehr als 70 Prozent des Mülls sinken auf den Grund. Zurück an Land gelangen nur 15 Prozent der Plastikabfälle. Doch allein diese bieten ein eindeutiges Bild, das besonders die Inseln im Indischen Ozean und im Pazifik prägt: Hier sind die Küsten von buntem Müll gefärbt.

„An manchen Stellen befindet sich heute sechsmal mehr Plastik als Plankton im Meereswasser und auch das Plankton selbst reichert feinste Plastikteilchen in sich an“, erklärt Stephan Lutter, WWF-Experte für Meeresschutz. Plastik enthält Giftstoffe wie Weichmacher und Flammschutzmittel, die den Meeresbewohnern schaden und durch die Nahrungskette auch den Menschen erreichen können.

Plastik vergeht nicht. Bis zur völligen Zersetzung können 350 bis 400 Jahre vergehen. Zunächst zerfällt es lediglich in immer kleinere Partikel. Wenn wir heute barfuß einen Strand entlang laufen, haben wir neben den Sandkörnern meist auch viele feine Plastikteilchen unter den Füßen.

Auch direkt vor unserer Haustür sind Plastikabfälle eine allgegenwärtige Gefahr für Fische, Vögel, Meeressäuger und letztendlich für den Menschen. Denn auch in Nord- und Ostsee treibt jede Menge Müll, obwohl das eigentlich Sondergebiete sind, wo kein Müll von Schiffen über Bord gehen darf.

Dabei ist Deutschland eigentlich noch ein positives Beispiel: Die Recycling-Quote von Plastik liegt bei mehr als 98 Prozent. Zudem gibt es geschlossene Kreisläufe für PET-Flaschen und Kunststofffenster. Die Industrie befürchtet neue EU-Auflagen, „nur weil die Südeuropäer ihr Plastik-Problem nicht in den Griff bekommen.“ Denn die Industrie hat viel zu verlieren: Plastik ist für sie eine globale  Erfolgsstory. Um jährlich fast 9 Prozent ist die Produktion seit 1950 gestiegen. Experten erwarten in Asien einen weiteren steigenden Pro-Kopf Verbrauch von Plastik um das dreifache.

Der Müll in den Meeren ist ein globales Problem. Neben Wirtschaft, Industrie und Bürgern ist auch die Politik gefragt – um neue Richtlinien und Anreize zu schaffen, aber auch die Einhaltung bereits bestehender Gesetze konsequenter zu verfolgen. Eine ständige, aktive Zusammenarbeit der zuständigen Behörden weltweit ist nötig.

Es bedarf politischer Maßnahmen, die den Gebrauch von Einweg-Plastikprodukten eindämmen. Auch die Produkte selbst sollten auf die Notwendigkeit von Kunststoff-Bestandteilen überprüft werden, sowie auf ihre Recycelbarkeit. Wir brauchen strengere Vorschriften für ein umweltverträgliches Produkt- und Verpackungsdesign. Giftige Plastikzusätze, die sich in der Nahrungskette anreichern können, müssen ganz verboten werden.

Der WWF fordert ein weltweites und möglichst flächendeckendes Umwelt-Monitoring (Umweltbeobachtung), das  zeigt, ob Schutz-Maßnahmen überhaupt greifen.Schiffsmüll darf nicht mehr im Meer landen. Hierfür ist einerseits die konsequente Durchsetzung bereits bestehender, internationaler Verpflichtungen nötig, andererseits eine Verbesserung der Rechtsprechung. Illegale Schiffsmüll-Entsorgungen müssen viel stärker geahndet werden. Der WWF fordert eine international koordinierte Strategie zur Bergung von Meeresmüll. Eine Möglichkeit sind sogenannte „Fishing for litter“-Initiativen, welche die Fischindustrie in das Säubern unserer Meere einbeziehen.

Aber auch das Bewusstsein der Öffentlichkeit muss sich ändern, daher setzt sich der WWF für eine weitreichende Aufklärungsarbeit ein. Jeder einzelne Verbraucher kann seinen Teil zur Rettung unserer Meere beitragen, indem er Plastik-Verpackungen vermeidet, Plastik-Tüten gar nicht oder zumindest mehrfach nutzt.

 Quelle: wwf.de (Stephanie Probst) | Photo: Photodune

Über Vidal

Vidal

Feinster frischer Fisch, nicht nur Lachs, wöchentlich aus den kalten Nordmeeren in den Westerwald geliefert. Sorgfältig und mit handwerklich höchsten Ansprüchen verwandelt in eine Vielzahl von Geschmackserlebnissen.

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