Falsche Zahlen und Pressemeldungen über Antibiotika im Zuchtfisch

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Negative Schlagzeilen Anfang Mai in den Medien, zum Beispiel „Die Zeit“, nt-tv, Spiegel-online und Focus warnten vor gesundheitsschädlichen Medikamenten-Rückständen im Fisch. Diese waren undifferenziert, pauschaliert und falsch.

Auslöser war eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Oliver Krischer (Bündnis 90/Die Grünen) an das Bundeslandwirtschaftsministerium. Er wollte wissen, bei wie vielen Proben im Europäischen Schnellwarnsystem für Lebensmittel (RASFF) es in den vergangenen zehn Jahren zu Höchstüberschreitungen von Antibiotika gekommen ist.

Die Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs, Peter Blesser, war zwar einfach: „Bei keiner“. Dazu lieferte er allerdings Zahlen zu dem Schnellwarnsystem, die aus der gesamten Europäischen Union stammen: „Rückstände von pharmakologisch wirksamen Stoffen wurden in 183 Fällen bei Fisch und Fischereierzeugnissen gemeldet, in 392 Fällen bei Krustentieren und Kopffüßern.“

Dies führte zu einer Fehlinterpretation durch die Medien, die diese Daten nur auf den Raum Deutschland bezogen. Doch die Zahlen betreffen nicht nur eine Zeitspanne von zehn Jahren und drei Monaten, sondern auch 28 Mitgliedsstaaten mit 507 Millionen Einwohnern, bezogen auf die EU, den weltweit größten Seafood-Importeur.

Tatsächlich sind in Deutschland seit Jahresbeginn vier Fälle mit Antibiotika-Rückständen gemeldet worden. In 2014 gab es im Schnellwarnsystem 9 Fälle, die alle Fisch aus Vietnam betrafen. Auffällig geworden waren Forellen einmal im Jahr 2012 und Lachs aus Chile einmal in zehn Jahren. Allein Garnelen aus Südostasien müssten beobachtet werden. Norweger-Lachs tauchte in keinem einzigen Fall auf.

Am 5. Mai schrieb dann auch die „Pharmazeutische Zeitung online“: „Medikamente im Fisch – Ministerium gibt Entwarnung.“ Ein Ministeriumssprecher hatte erklärt, in der medialen Darstellung seien wohl einige Dinge durcheinander geraten.

Quelle: Fischmagazin 5/2015

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