„Carry-over“

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Algenprodukte werden zum Beispiel als „Algensalat“, „Seetangsalat“ oder als „Meeresalgen eingelegt“ angeboten. Dabei handelt es sich um meist gefärbte Zubereitungen aus Algenabschnitten in Marinade, optional mit Agar-Agar, Pilzen, Chili und Sesam. Die Färbung der Algen erfolgt nach Herstellerangaben durch „carry-over“ von Farbstoffen aus der gefärbten Marinade.

Doch ist das sogenannte „carry over“ von Farbstoffen hier zulässig? Es kommt darauf an, in welche Lebensmittelkategorie derartige Algenzubereitungen einzuordnen sind. Und was bedeutet „carry-over“ überhaupt?

Der Begriff „carry-over“ steht dafür, dass bestimmte Lebensmittelzusatzstoffe über Zutaten in Lebensmittel gelangen dürfen, für die sie direkt nicht zugelassen sind. Nach den Regeln der EU dürfen Lebensmittelzusatzstoffe in zusammengesetzten Lebensmitteln enthalten sein, sofern der Zusatzstoff in einer seiner Zutaten erlaubt ist. Ein für Aromen oder Enzyme zugelassener Lebensmittelzusatzstoff, der in das fertige Lebensmittel gelangt, darf aber darin keine technologische Funktion erfüllen. Beispiele dafür, wie Zusatzstoffe über das „carry-over“ in fertige Waren gelangen können, sind Konservierungsstoffe, die etwa in getrockneten, konzentrierten, gefrorenen oder flüssigen Eiprodukten, Würzmitteln, Aromen oder auch Fettemulsionen zugelassen sind.

Für den Verbraucher ist dieser Farbstoff oder Konservierungsstoff also nicht mehr erkennbar; er muss nicht deklariert werden.

Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. (BLL) informiert über den Beschluss des Arbeitskreises Lebensmittelchemischer Sachverständiger der Länder und des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (ALS): „Die beschriebenen Algenprodukte, welche unter Verwendung von marinierten Algen und weiteren geschmacksgebenden Zutaten (weiteres Gemüse, Chili und Sesam) hergestellt werden, sind in die Kategorie „12.7 Salate und würzige Brotaufstriche“ einzuordnen. Diesen dürfen Farbstoffe der Zusatzstoffgruppe II zugesetzt werden. Ein „carry-over“ von sonstigen Farbstoffen aus Marinaden (Kategorie „12.6 Soßen“) ist nicht möglich, da die oben genannte Kategorie eine Soße als typischen Bestandteil eines Feinkostsalates bereits beinhaltet.

Die Grundzutat „Algen, mariniert“, auch unter Zugabe von aus Algen gewonnenem Agar-

Agar, ohne eine weitere Aufbereitung, ist in die Kategorie „Zubereitungen aus Obst und Gemüse, ausgenommen Kompott“ einzugruppieren. Algenprodukte, die dort eingeordnet sind, dürfen grundsätzlich nicht mit Farbstoffen gefärbt werden.“

Das bedeutet also, dass das „carry-over“ von Farbstoffen in den Algensalaten nicht zulässig ist.

Quelle: Bundesverband der deutschen Fischindustrie und des Fischgroßhandels 22/2016

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